Oliver Reiser, Augsburger Allgemeine, Sportredaktion Augsburger Land

Gelungene Verjüngungskur
Nach zehn Wochen ist siebenköpfiges Präsidium des TSV Gersthofen wieder komplett


Seit dem 15. April, als auf der Jahreshauptversammlung des TSV Gersthofen kein Nachfolger für den scheidenden Präsidenten Karl-Heinz Wagner gefunden wurde, bestand das Präsidium nur noch aus zwei Personen. Gerhard Kammerer und Marita Rau stellten sich zur Verfügung, um den TSV vor dem Gang zum Amtsgericht zu bewahren. Zehn Wochen später hat der größte Sportverein des Landkreises Augsburg wieder eine komplette Führungsriege. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung wurde Jürgen Treffler zum neuen Präsidenten gewählt. Sein bisheriges Amt als Abteilungsleiter Finanzen der gerade in die Bayernliga aufgestiegenen Fußballer hat Treffler noch am selben Abend niedergelegt.

Der TSV Gersthofen besitzt mustergültige Sportanlagen im Wert von knapp 5 Millionen Euro, ist neue Wege in der Namensgebung der Sportarena gegangen und die Fußballer sind am vergangenen Wochenende in die Bayernliga aufgestiegen. „Eigentlich sollte der TSV keine Probleme haben“, so Bürgermeister Jürgen Schantin. Wenn da nicht Karl-Heinz Wagner und Toni Schur nicht mehr zur Wahl angetreten wären. Gut sei gewesen, dass mit Kammerer „ein positiver Notnagel“ gefunden werden konnte. „In den letzten Wochen ist es beim TSV Gersthofen drunter und drüber gegangen“, konstatierte der Bürgermeister.

Die Suche nach einem neuen Präsidium hat den TSV Gersthofen intensiv beschäftigt. „Ich war teilweise am Ende“, ließ Gerhard Kammerer wissen. Nachdem er angekündigt hatte, das Präsidentenamt nur bis zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung auszuüben, wurde hinter den Kulissen eifrig nach einer neuen Führungsriege gesucht. Das zunächst formierte Team wollte jedoch nur gegen eine Vergütung agieren. „Es war mir sehr wichtig, dass ein Präsidium im Ehrenamt fungiert“, sagte Gerhard Kammerer. Deshalb kippte er auch den ursprünglichen Beschluss des Vereinsrates. „Nun können wir ein verjüngtes Präsidium präsentieren, was auch dem Wunsch von Karl-Heinz Wagner entspricht“, freute sich Kammerer. Trotz eines ehrenamtlichen Präsidiums war eine Beitragsanpassung unumgänglich. Die Erhöhung um einen Euro auf 9,20 Euro im Monat für Erwachsene und 7 Euro für Kinder wurde einstimmig angenommen. Ebenso wie eine Satzungsänderung, laut der künftig an den Vereinsratssitzungen zwei Vertreter jeder Abteilung teilnehmen können. Auch die Wahlen gingen dann völlig reibungslos über die Bühne. Mit zwei Gegenstimmen und vier Enthaltungen wurde Jürgen Treffler zum neuen Präsidenten des TSV Gersthofen gewählt.

„Es wir keine ,feindliche Übernahme’ durch die Fußballabteilung geben“, versprach Treffler, „das Präsidium ist demokratisch aufgestellt.“ In nächster Zeit möchte er mit seinem Team dafür sorgen, „dass der TSV Gersthofen in der Öffentlichkeit wieder ein sympathisches Bild abgibt“. Dann will man sich der Mitglieder-Fluktuation annehmen und überlegen, wie man neue Einnahmequellen erschließen kann. Auch Bürgermeister Jürgen Schantin hofft, dass der TSV nun wieder in ruhigeres Fahrwasser komme. Schantin: „Wenn etwas gebraucht wird, steht die Stadt dabei selbstverständlich zur Verfügung“, versprach er Unterstützung.


Das neue Präsidium des TSV Gersthofen: (von links, vorne) Marita Rau, Sabine Eser und Johanna Aman
sowie (hinten) Jürgen Treffler, Alexander Päckert, Hans-Jürgen Ress und Gerhard Kammerer.



Großes Werk gelingt nur durch Einigkeit
Ehrenpräsident Karl-Heinz Wagner hat sich immer an seinem Vorgänger Dr. Erhard Müller orientiert


Es war keine Überraschung. Nach 26 Jahren im Amt des Präsidenten des TSV Gersthofen bedurfte es eigentlich gar keiner Frage, dass Karl-Heinz Wagner zum Ehrenpräsidenten des momentan rund 3700 Mitglieder zählenden größten Sportvereins im Landkreis Augsburg ernannt wird. Und so schnellten auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung auch alle Hände der 141 Anwesenden nach oben, als sein Nachfolger Jürgen Treffler in seiner ersten Amtshandlung zur Abstimmung aufrief. Das Gleiche gilt für Wagners langjährigen Weggefährten Anton Schur, der zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Für beide gab es stehenden Applaus.

Karl-Heinz Wagner gehört dem TSV Gersthofen seit 1952 an. Über das Turnen kam er zu den Handballern, für die er in der Landesliga spielte und er hob die erste Frauenmannschaft mit aus der Taufe. Ab 1970 bekleidete er verschiedene Ämter im Präsidium, von 1985 bis zum 15. April 2011 amtierte er als Präsident. Der TSV ehrte ihn außerdem mit der Ehrennadel in Gold mit großem Kranz und Brillanten.

Anton „Toni“ Schur trat dem TSV Gersthofen 1969 bei. Von 1973 bis 1998 war er der Leiter der Abteilung Alpin. Seit 1999 wirkte er als Vizepräsident für Öffentlichkeitsarbeit und Verwaltung. In seine Amtszeit fielen mit der Renovierung der TSV-Turnhalle, dem Bau der Sportarena und dem 100. Vereinsjubiläum drei große Objekte. Vor allem die Betreuung der Bauvorhaben brachten ihm den Spitznamen „Schur-Fix“ ein. Schur bekam die TSV-Ehrennadel in Gold mit großem Kranz überreicht.

Während Gerhard Kammer in seiner kurzen Amtszeit als Bayernliga-Aufstiegspräsident in die Geschichte des TSV Gersthofen eingehe, gelte er als „Abstiegspräsident“, scherzte Wagner in seiner Dankesrede. „Kurz nach meinem Amtsantritt ist die erste Fußballmannschaft nach einer 3:4-Niederlage gegen den SV Bonstetten in Batzenhofen in die B-Klasse abgestiegen“, so Karl-Heinz Wagner, der sich aber auch an viele sportliche Erfolge und Highlights wie die Eröffnung der Sportarena erinnerte.

Während seiner Amtszeit habe er sich immer an seinem Vorgänger Erhard Müller orientiert, der den TSV Gersthofen 29 Jahre geführt hatte. „Großes Werk gelingt nur durch Einigkeit“, habe der immer gesagt. Diesen Rat gab Wagner auch seinen Nachfolgern mit auf den Weg und schloss mit Dr. Müllers berühmten „Glück auf!“


Im TSV Gersthofen gibt es derzeit einen Ehrenpräsidenten und drei Ehrenmitglieder.
Von links Toni Schur, Irene Goedecke, Karl-Heinz Wagner und Burghard Hlauschek.